„Wir schicken sicher keine Kinder weg“

Werden Kinder aus ihren Familien geholt, kommen sie zuallererst ins Krisenzentrum. Sie kommen aus unterschiedlichen Milieus und Kulturen, haben verschiedene Leidenswege hinter sich. Manche erfuhren Gewalt, andere wurden massiv vernachlässigt.

Warum bist du hier gelandet? Wann wirst du entlassen? Darfst du wieder zu deiner Familie zurück? Es sind genau diese Fragen, die sich die Kinder hier im Krisenzentrum gegenseitig stellen, wenn sie sich kennenlernen. Als wäre es das Normalste der Welt anzunehmen, dass man vielleicht nicht wieder zur eigenen Mutter darf. Kinder, die sich bis vor kurzem noch nie über den Weg gelaufen sind, müssen sich hier nun alles teilen.

Das frisch renovierte Altbauhaus steht in der Wasnergasse im 20. Wiener Gemeindebezirk. Die Räume sind hoch, die Wände frisch und blendend weiß gestrichen, die Sonne scheint herein. „Sozialpädagogische Einrichtung“ steht draußen am Eingangstor. Im ersten Stock befinden sich die Büros der Mitarbeiter, im zweiten Stock das Krisenzentrum, im dritten Stock liegen die zwei Wohngemeinschaften mit je acht Schlafplätzen für Kinder, die dauerhaft fremduntergebracht werden müssen.

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Im Krisenzentrum ist es heute recht ruhig. Doch die bunten Wände, Malereien und Spielsachen lassen es dennoch lebhaft wirken. An der Wand hängt ein Kümmerkasten, kein Kummerkasten. Im großen Aufenthaltsraum stehen auf der einen Seite die Spielkonsole und der Internetzplatz, auf der anderen die Puppenküche und Spielbälle. Ein Kinderzimmer für Drei- bis Sechzehnjährige.

Die meisten sind jetzt gerade in der Schule oder im Kindergarten. Ein langer Gang führt zu den Zimmern. Hauptsächlich Einzelzimmer. Ein zehnjähriger Bub blinzelt schüchtern aus einer der Türen heraus. Das Namensschild verrät, dass er Daniel heißt. Daniel hat eine so genannte „Biographische Landkarte“ mit einer der Betreuerinnen gezeichnet. Diese Karte ist eines der vielen Hilfsinstrumentarien, um eine Einschätzung des Umfeldes und der Beziehungen des Kindes zu gewinnen. „Papa Georg“ ist rot umrahmt. Rot bedeutet „nicht so wichtig oder seltener Kontakt“. Vor zwei Jahren hat er ihn das letzte Mal gesehen. Die Karte hängt an der Innenseite von Daniels Zimmertüre.

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Kategorien:Reportage

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