Sophie hat lange genug gewartet

Der Kampf gegen seine innere Zerrissenheit hat fast 50 Jahre lang gedauert. Dann hat Fredi seine Männlichkeit nicht mehr ertragen und sich für immer von seinem alten Leben verabschiedet.

Wenn sie über Autos und Motoren geredet haben, war Fredi meist der Lauteste am Tisch. Ein sportlicher junger Mann mit breiten Schultern und muskulösen Oberarmen, der niemals Angst hatte, sich zu verletzen. Porsche Cup ist er gefahren, Extremsportarten haben ihm den notwendigen Kick gegeben. Wellenreiten, Kampfsport, Skifahren abseits der Piste, Freestyle mit dem Snowboard, Autorennen, all das war Fredis Welt. Sein Körper und die Wunden, die er ihm zufügte, waren ihm egal. Er wartete, bis sie verheilt waren, und stürzte sich sofort ins nächste Abenteuer. Es ist ein Wunder, dass er überhaupt noch gehen kann, denkt er heute. Prahlereien am Wirtshaustisch gehörten da dazu. Weniger ging die Rederei über seine sportlichen Heldentaten von ihm aus, als von seinen Freunden und Bekannten, die ihn gerne nach Ratschlägen beim Autokauf oder aufregenden Geschichten fragten und dann gespannt zuhörten, wenn er erzählte.

Den wilden Fredi gibt es nicht mehr. Der heute 51-Jährige steht nun täglich und wohl fortan bis an sein Lebensende morgens im Badezimmer und reibt sich Östrogen-Gel in die Haut ein. „Sonst vermännliche ich wieder“, sagt er und richtet sich die blonde Perücke. Fredi heißt jetzt Sophie.

Hier geht es zum vollständigen Artikel auf NZZ.ch

Kategorien:Porträt

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