Datenjournalismus – Kein Platz für Geheimniskrämerei

Analysieren, interpretieren und visualisieren – das sind nur einige der Aufgaben des Datenjournalismus. Eine Diskussion über seine Berechtigung und seine gesellschaftspolitische Bedeutung

Wie aus dem Nichts, tauchte er plötzlich auf: der Datenjournalist. Fakt ist, ihn gibt es schon lange, jedoch bietet das Internet neue Möglichkeiten, diesen Pfad zu beschreiten. Vor allem, wenn es um große Datenmengen geht, braucht man Menschen, die mit diesen umgehen können und sie in einer verständlichen Weise aufbereiten und visualisieren. „Ich bewundere wirklich jene, die das vor 20 Jahren gemacht haben. Die EDV war viel komplizierter, die Tools werden jedoch benutzerfreundlicher“, meint Robert Varga, der an der Fachhochschule Wien praktische Übungen begleitet und gemeinsam mit Studierenden datenjournalistisch aktiv ist.

Seit 2009 hat Datenjournalismus immer mehr an Bedeutung gewonnen. Die britische Tageszeitung Guardian startete damals ein Datablog. Aufgrund des großen Zuspruchs, gründete man das Ressort „Data“, um dieser neuen Darstellungsform Rechnung zu tragen. Dort werden einerseits die Rohdaten angeboten, was ein Qualitätskriterium für Datenjournalismus darstellt, und andererseits die User eingebunden, um so neue Ressourcen zu schaffen. Eine weitere Geburtsstunde erlebte der moderne Datenjournalismus durch „Data.gov“, das Datenportal der Vereinigten Staaten.

Möchte man wissen, was in einer Gesellschaft vor sich geht, so reicht ein Blick in die Statistiken. Daher leitet sich auch die gesellschaftspolitische Bedeutung von Datenjournalismus ab. „In Österreich ist das Phänomen relativ neu. Das liegt daran, dass wir ein Problem mit offenen Daten haben. Aber es gibt hier Menschen, die sich in diesem Feld betätigen, wie Florian Gossy vom Standard oder die Plattform dossier.at“, erklärt Varga. „Hinter der Idee, Dossier zu gründen, steht eine bittere Erkenntnis: Recherchen, die tief gehen, gibt es in Österreich so gut wie nicht“, meint Florian Skrabal, Chefredakteur von dossier.at. Für ihn liegt die Relevanz klar auf der Hand: “Datenjournalismus kann in so gut wie jedem gesellschaftspolitischen Bereich relevant sein – egal, ob Aussagen über die Verteilung von öffentlichen Geldern, über Ungleichheiten im sozialen Bereich oder etwa über die unterschiedliche Qualität des Trinkwassers getroffen werden.“ Die Mindestanforderungen, um Datenjournalismus zu betreiben, sind nach Varga Grundkenntnisse in Excel und html, um Tools auf einer Seite einpassen zu können, eine Gabe für Tabellenkalkulationen und der journalistische Riecher.

Datenjournalismus kann man also effizient im Team betreiben. Aufgrund der wachsenden Informationsmenge wird er ein wichtiger Teil journalistischer Arbeit sein. „Informationen bedeuten Macht und Datenjournalismus soll Menschen dabei helfen, sich selbst ein Bild von gewissen Themen machen zu können. Im besten Fall ist er die Umverteilung von Macht“, so Skrabal. Der Journalist, der seine Recherche auf handfesten Zahlen aufbaut, kann demnach eigentlich nur gewinnen. Denn was in offiziellen Statistiken verankert ist, lässt sich nun mal nicht wegdiskutieren. Sofern diese stimmen.

(erschienen in Statement, März 2012)

(Beitragsbild: flickr, Patrick Tschudin)

Kategorien:Bericht

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